- 05. Dezember 2025
Inhaltsverzeichnis:
Identität und Film – was ‚Leise Töne – große Töne‘ über Herkunft und Selbstfindung zeigt
Neulich habe ich den Film Die leisen und die großen Töne geschaut. Und er hat mich auf eine ganz besondere Weise berührt. Nicht nur, weil ich selbst musikalisch bin – sondern weil er so eindrücklich zeigt, wie sehr die Frage nach der Herkunft unser Leben prägt.
Eine Szene hat sich eingebrannt: die Wut eines Mannes, als er erfährt, dass er sein Leben lang belogen wurde. Diese Wut war so authentisch dargestellt, dass ich sie sofort in meinem eigenen Herzen gespürt habe. Denn genau das ist es, was viele von uns Kuckuckskindern kennen: das Gefühl, betrogen worden zu sein.
Auch meine eigene Geschichte hat damit zu tun. Lange Zeit wusste ich nicht, dass mein biologischer Vater gar nicht der Mann war, mit dem ich aufgewachsen bin. Und als ich es erfuhr, kam ein Schmerz hoch, den ich mir nicht ausgesucht hatte: Mein Vater wollte mich nicht als Tochter.
Diese Wahrheit tat weh – aber sie war der Beginn meiner Selbstfindung.
Denn ich musste eine Antwort auf die Frage finden: Wer bin ich, wenn mein Vater mich nicht wollte?
1. Identität - Wenn der Vater nicht mein Vater ist
Unsere Identität ist tief verwoben mit unserer Herkunft. Wer ist mein Vater? Wer sind meine Geschwister? Solche Fragen lassen sich nicht einfach abtun, ohne dass eine Identitätskrise zurückbleibt.
Viele meiner Kundinnen beschreiben es so: Solange diese Fragen ungeklärt bleiben, fühlen sie sich innerlich wie ein Puzzle mit fehlenden Teilen. Man kann versuchen, diese Leerstelle zu übermalen oder zu überdecken – aber das Loch bleibt.
Genau deshalb berühren Filme wie Leise Töne – große Töne so sehr: Sie zeigen, wie nah Herkunft und Identität beieinanderliegen.
2. Der Film Leise Töne – große Töne als Spiegel
Der Film erzählt leise und gleichzeitig kraftvoll von den Fragen: Wer ist mein Vater? Wer ist mein Bruder? Fragen, die in Familien manchmal jahrzehntelang verschwiegen oder verdrängt werden – bis die Wahrheit eines Tages doch ans Licht kommt.
Die musikalischen Elemente haben mich besonders getroffen. Vielleicht, weil Musik selbst etwas mit Identität zu tun hat. Sie drückt aus, wer wir sind, manchmal sogar mehr als Worte es könnten.
Die Wut des Mannes im Film, der erfahren hat, dass er sein Leben lang getäuscht wurde, hat mich tief bewegt. Weil sie so echt war.
Weil ich diese Wut kenne. Und weil viele Kuckuckskinder, mit denen ich arbeite, sie immer wieder erleben.
Der Film ist ein Spiegel: Er macht sichtbar, was Verdrängung nicht heilen kann.
3. Selbstfindung statt Verdrängung
Viele versuchen, mit offenen Fragen zu leben, indem sie sie verdrängen. Doch Verdrängung ist kein Weg zur Freiheit. Sie bindet Kraft, sie frisst Energie und sie hinterlässt das Gefühl, nicht im Reinen zu sein.
Selbstfindung dagegen heißt, die Fragen bewusst anzuschauen:
Wer ist mein Vater?
Wer sind meine Geschwister?
Und: Wer bin ich – unabhängig von der Antwort?
Auch in meiner eigenen Geschichte habe ich gelernt: Die Wahrheit kann wehtun. Aber sie ist die Basis, um meine Identität neu zu schreiben. Heute sage ich: Ich bin geliebt, ich bin gewollt – auch wenn mein biologischer Vater mich nicht wollte.
4. Identität neu schreiben – wie geht das?
Loslassen ohne zu verdrängen gelingt, wenn wir Erinnerungen ihre Macht nehmen. Drei Schritte helfen dabei besonders:
Anerkennen
Schau hin, was passiert ist. Auch wenn es weh tut. Nur was du anerkennst, kann heilen.
Trennen
Mach dir bewusst: Die Entscheidung deiner Mutter oder deines Vaters bestimmt nicht, wer du bist. Dein Wert hängt nicht daran, ob jemand dich wollte oder nicht.
Neu schreiben
Formuliere eine Geschichte, die dich stärkt. Meine lautet heute: „Ich bin geliebt und gewollt.“ Deine kann ganz anders klingen – wichtig ist, dass sie deine Wahrheit widerspiegelt und befreit.
5. Frieden mit der eigenen Geschichte
Der Film Leise Töne – große Töne hat mich daran erinnert, wie entscheidend es ist, die eigene Geschichte nicht länger zu verdrängen. Denn solange wir festhalten an Erwartungen, die nicht erfüllt werden, bleiben wir innerlich gebunden.
Frieden finden heißt nicht, alles gutzuheißen. Frieden finden heißt, die Wahrheit zu sehen – und sie nicht länger über deine Identität bestimmen zu lassen.
6. Dein nächster Schritt
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass dich ähnliche Fragen bewegen wie im Film: Wer ist mein Vater? Wer ist mein Bruder? Und was macht das mit meiner Identität?
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Luise Scholz
Luise Scholz ist Identitäts-Coach und begleitet Frauen mit einer Vaterwunde und sogenannte „Kuckuckskinder“ – das sind Menschen, die erst spät erfahren haben, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist.
Mit ihrem FRIEDEN-Prozess hilft sie ihnen, innere Ruhe, Selbstannahme und Selbstwert zu finden – klar, bodenständig und ohne esoterische Umwege.